Detmold-Heiligenkirchen (co). Echte Knochenarbeit leisteten jetzt Langzeitsarbeitslose an der Berlebecke. Sie legten im Rahmen des Projekts "Wasser im Fluss" am Krugplatz unterhalb der Brücke zur Paderborner Straße eine rauhe Sohlgleite an. Dadurch können Fische und Kleinstlebewesen wieder passieren.
Ein Problem stellte der vorhandene Sohlabsturz aus Beton dar, der mit einem halben Meter Fallhöhe ein unüberwindbares Wanderhindernis darstellte. Das erläuterte gestern vor Ort Projektleiter Jens Vespermann von der Arbeitsgemeinschaft Arbeit (AGA). Zunächst trugen die Mitarbeiter den Absturz mit einem Presslufthammer in der Mitte auf einer Länge von zwei Metern um rund 40 Zentimeter ab.
Danach wurde auf einer Länge von etwa 20 Metern ein Wandbruch eingebracht. Die Steine wurden dann schichtweise zu einer rauen Sohlgleite aufgebaut, so dass der immer noch vorhandene Höhenunterschied ausgeglichen werden konnte. Gabionen - mit Steinen beschwerte Drahtkörbe - fangen den Druck auf, der durch die Sohlgleite entstanden ist.
Die Mitarbeiter verfüllten 120 Tonnen Steine. Diese mussten von sechs Männern auf der Schubkarre zum Bach geschleppt werden. Das Gelände machte den Einsatz von schweren Geräten nicht möglich.
Gut sichtbar sind die ebenfalls eingebauten Querriegel, die Wasser aufstauen. "Die Riegel werden wirksam, wenn wir es mit niedrigen Wasserständen zu tun haben", so Barbara von der Lippe von der Kreisverwaltung. In dem Bach lebten unter anderem Bachforellen. "Diese wandern saisonal lokal und können Höhen von zehn Zentimetern nicht überwinden."
Jetzt fließt die Berlebecke nur noch mit einem leichten Gefälle und das Ziel, das Wasser wieder durchlässig zu machen, ist erreicht. Die Arbeitsgemeinschaft peilt die nächste Gewässerrenaturierung an.
Das Beschäftigungsprojekt "Wasser im Fluss" dient der naturnahen Gestaltung von Bächen. Durch Besiedlung sind auch einige Fließgewässer in Lippe eingeengt, so dass ihre natürliche Funktion als Lebensraum eingeschränkt ist. Seit fünf Jahren beteiligen sich neben dem Kreis elf Gemeinden am Projekt. Finanziert wird es zu 80 Prozent vom Land. Träger ist die AGA.
Derzeit sind dort 15 Arbeitslose für ein halbes Jahr tätig. Vier haben durch die Qualifizierung schon eine feste Anstellung gefunden. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Leuten gesammelt", so AGA-Geschäftsführer Jens Fillies. Und auch die Stadt Detmold ist froh, denn für solche Entwicklungs-Maßnahmen sind weder Zeit noch Geld vorhanden.
Quelle: Lippische Landes-Zeitung vom 01.07.2009